Kairo

Kairo - Stadt des Verkehrschaos

Wie so oft in meiner Urlaubszeit sollte das problematischste Ereignis der Hinflug werden: 2001 in Mali war meinem Urlaub der 11. September 2 Tage vorausgegangen, mit verschärften Sicherheitskontrollen war zu rechnen und daher ein verfrühtes Aufstehen angesagt. 2004 in Kambodscha litten wir unter der Insolvenz von Thai Jet, unser Flug wurde mehrfach verschoben. 2005 in Ägypten hatten wir uns entschieden von Düsseldorf aus los zu fliegen und der Papst hatte seinen Besuch beim Weltjugendtag in Köln angesagt, wodurch mit Staus auf der Autobahn zu rechnen war und wir entsprechend früh aufbrachen. Doch der Flieger an sich war pünktlich, so daß uns in Sharm El Sheikh angekommen genügend Zeit blieb, um den Nachtbus nach Kairo zu erwischen. In den frühen Morgenstunden hatten wir Kairo erreicht. Und schon jetzt zeichnete sich ab, was uns den ganzen Urlaub über begleiten sollte. Wie überall mußte auch hier lange über den Preis für die Taxifahrt vom Busbahnhof in die Innenstadt zu dem von uns gewünschten Hotel verhandelt werden. Ok, natürlich bin ich das Verhandeln von anderen Ländern meiner Reisen längst gewohnt, doch nirgendwo sollte es sich als so schwierig erweisen wie in Ägypten. Nicht daß wir im Urlaub knauserig wären, nein, wir zahlen gerne Preise die über dem landestypischen liegen. Doch irgenwo sind nunmal Schwerzgrenzen und die galt es zu waren. So mußten wir hier nicht nur den Preis verhandeln, sondern ersteinmal Ortskenntnis beweisen. Aus einer 2 km langen Fahrtstrecke werden 15 km. Nein jetzt wurde nicht der Preis für diese Wegstrecke verhandelt, sondern ersteinmal die Wegstrecke an sich. Die Taxifahrer kamen uns auf 9 und 5 km entgegen und forderten uns auf, auch etwas Entgegenkommen zu zeigen, worauf ich bemerkte, daß die Strecke nur 2 km lang sei, egal was wir hier aushandeln würden. Und dieses Handeln sollte sich in allen Lebenslangen fortsetzen. Selbst beim Baksheesh, dem berühmt berüchtigten Ägyptischen Trinkgeld, war des öfteren Handeln angesagt. Und so ergibt es sich in Ägypten fast zwangsläufig, daß man das eine oder andere Mal zuviel bezahlt, einfach aus Unkenntnis der Sachlage oder einfach aus der Tatsache, daß einem irgendwann die Lust fehlt diese Spielchen bis zum Exzess zu treiben. Nachdem wir also ca. 20 Minuten Entfernung und Fahrtpreis zu unserem Hotel ausgehandelt hatten und am Schluß dann doch noch ein kleines Stück laufen mußten (der Taxifahrer konnte einfach unser Hotel nicht finden, statt dessen bot er uns ein ums andere Mal ein anderes, doch viel schöneres an, welches, so wußte ich, ihm doch gute Provisionen für die Kundenvermittlung zahlt) legten wir uns erst einmal ein Paar Stunden schlafen, schließlich waren wir fast 24 Stunden unterwegs gewesen....


Der Hauptbahnhof in Kairo

Doch bald erwachte in uns der Tatendrang und wir machten uns auf das Ägyptische Museum zu erkunden. Hier standen wir nun also in Mitten der pharaonischen Vermächtnisse. Besonders eindrucksvoll waren die Gallerien des Tutenchamun, allen voran die herrliche Totenmaske. Kaum vorstellbar mit welchen Reichtümern dieser eher kleine und unbedeutende Pharao bereits beerdigt wurde. Vor allem wenn man sich versucht vorzustellen, mit welchen Reichtümern dann erst ein Ramses III. bestattet worden sein muß.

Unser nächstes Ziel war die Ramses Station, der Bahnhof Kairos. Mit Sicherheit gehört Bahnhof zu den schönsten Bahnhofsgebäuden weltweit, wenn auch unser Interesse den Zugfahrkahrten nach Luxor ein Paar Tage später galt.

Doch uns sollte an diesem Tag noch ein weiteres Highlight Kairos erwarten. Unser Ziel war die Zitadelle, so zu sagen die mittelalterlich Festung Kairos. Der Bau wurde unter Saladin 1176 begonnen und war ca. 700 Jahre lang die Heimat der ägyptischen Herrscher. Neben der Stadtmauer und den Befestigungsanlagen befinden sich hier mehrere sehenswerte Moscheen und Paläste. Außerdem hat man von der auf einem Hügel gebauten Anlage einen herrlichen Ausblick auf Kairo. Neben diesem gigantischen Ausblick auf das alles in allem doch recht nervenaufreibende Kairo, genossen wir hier vor allem die Ruhe. Wir wähnten uns fern ab von allem Straßenlärm und aller Hektik der Straßen Kairos.


Ausblick von der Zitadelle

Doch Kairo hatte noch weitere Highlights zu bieten. Wir besichtigten das koptische (christliche) Viertel Kairos. Es handelt sich um das älteste Viertel Kairos, welches Gebäuden aus dem 2. Jahrhundert Platz bietet. Vor allem die Hängende Kirche, die Ihren Namen daher trägt, da sie auf den Kanalsystemen der Römer erbaut wurde gefiel uns sehr gut. Die hängende Kirche wurde im 9. Jahrhundert erbaut. Im koptischen Kairo half ich dann einem Kairoer aus der Patsche, indem ich einen Brief auf Englisch für ihn verfasste. Wir wurden zu einer Cola eingeladen und diskutierten die Probleme dieser Welt. Während über George Bush noch Einigkeit bestand, triffteten die Meinungen bei Adolf Hitler doch weit auseinander. Und während die meisten Ägypter die USA und Israel hassen, sind deutsche Touristen aufgrund ihrer unrühmlichen Vergangenheit sehr beliebt. Schwer zu sagen, welche Kategorie die bessere ist. Amerikaner zu sein und nicht verstanden zu werden, wenn man behauptet George Bush auch nicht zu mögen, oder Deutscher zu sein und nicht beliebt sein zu wollen wegen Adolf Hitler.


Der Innenhof der Al Azhar Moschee

Unsere nächsten beiden Ziele waren die berühmten Moscheen Kairos, die Ibn Tulun Moschee und die Al Azhar Moschee. Die Ibn Tulun Moschee wurde im 9. Jahrhundert erbaut, die Al Azhar Moschee im Jahre 970 gegründet, gilt als älteste heute noch betriebene Universität der Welt. Beide Moscheen gefiehlen uns sehr gut. Abends zog es uns dann zum Al Khalili Markt in das islamische Viertel Kairos, der heute vor allem auch als Touristenmarkt fungiert und uns Gelegenheit bot erste Souvenirs einzukaufen. Dank der zahlreichen Kaffeehäuser, die sich hier finden, genossen wir es uns einfach hinzuseten und das Markttreiben zu genießen. Etwas störend waren nur die Neckermänner Busse, die versuchten ihren Weg durch die Menschenmassen zu bahnen und deren Insassen die Nasen an den Bussscheiben platt preßten und uns wie Affen begafften. Nicole und ich wären wohl vor Scharm im Boden versunken, wenn wir so durch diesen Markt gefahren worden wären. Nicht so diese Touristen, aber es sollte nicht das letzte Mal sein, daß wir uns über diese Neckermänner wundern sollten...


Der Gebetsraum der Al Azhar Moschee


 


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