Calcutta

Calcutta - Menschen, Menschen und ganz viel Dreck

Am frühen Morgen um 03:45 Uhr hatte unsere Maschine Bombay erreicht. Um diese Uhrzeit waren selbst die indischen Grenzbeamten nicht Willens mehr zu tun, als unbedingt nötig. So hatten wir im Rekordtempo die Einreisemodalitäten abgehandelt. Das ganze Procedere dauerte keine 5 Minuten. Im Nachhinein umso erstaunlicher, sollten wir die Mühlen der indischen Bürokratie und den Zeitaufwand der Flugabfertigung noch kennen lernen...

Voll beladen und schon jetzt total übermüdet ging es an den Schalter der Jet Airways. Um den Inlandsflug nach Calcutta zu buchen. 4.800 Rupies (ca. 90 EUR) kostete der Spaß. Um 6:50 Uhr war pünktlich Abflug und um 9:30 Uhr hatten wir Calcutta erreicht. Wir kümmerten uns gleich um unser Prepaid-Taxi. Prepaid-Taxis werden an einem Schalter im Flughafen (oder Bahnhof) bezahlt und warten vor der Tür. So sind der Fahrpreis und das Fahrtziel schon Fix, was lange Preisverhandlungen spart. 2 Stunden ging es nun quer durch Calcutta, bis wir die Sutter Rd. Erreicht hatten. Die Sutter Rd. Ist so etwas wie die touristische Hauptstraße Calcuttas, mit der Kao San Rd. in Bangkok aber in keinster Weise zu vergleichen. Da sich hier aber mehrere Hotels in unserer Preisklasse befinden, empfanden wir sie als Ausgangspunkt für unsere Hotelsuche geeignet. Wir waren aufgrund der langen Anreise körperlich und geistig am Ende. Hinzu gesellten sich noch die vielen neuen Eindrücke und, wie so oft, viele hilfsbereite Inder, die in 2 mit Rucksäcken beladenen Touristen willkommene Opfer sahen, den man ein Hotel andrehen konnte. So entschieden wir uns, da wir uns kaum noch in der Lage sahen uns zu wehren, das erstbeste Hotelzimmer für umgerechnet 8 EUR zu nehmen und uns ohne Gepäck weiter auf die Suche zu begeben. Schließlich waren wir knappe 29 Stunden bereits unterwegs und die Zimmersuche gestaltet sich in Indien doch deutlich schwieriger als in anderen Ländern. Gerade in punkto Sauberkeit. Wir hatten aber bald unser Gemach für den stolzen Preis von 880 R (18 EUR) gefunden und fielen gegen 13:30 Uhr Ortszeit tot ins Bett. Nach ein paar Stunden Schlaf schlenderten wir am Abend noch etwas durch die umliegenden Gassen und buchten einen Ausflug in den Sunderbarns Nationalpark.


In den Straßen Calcuttas


Calcutta ist vor allem dreckig, laut und überbevölkert. Eigentlich also so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Müllberge sind irgendwo mitten in die Gegend gekippt und vermodern langsam. Die ärmsten der Armen suchen hier nach etwas verwertbarem. Überall stinkt es nach Autoabgasen. Am Abend bekamen wir einen ersten Eindruck von der indischen Bürokratie, auch wenn wir es Anfangs gar nicht kapierten. Neben unserem Hotel befand sich das Sutter Bar & Pub, wo wir hineingingen, um eine Cola zu trinken. Nun hat das Sutter Bar & Pub eine Schanklizenz. Das heißt nicht, dass man hier Alkohol trinken darf, sondern dass man hier Alkohol trinken muss. Nicht weil der Wirt so mehr Umsatz macht, nein. Das ist gesetzlich so geregelt. Nur Cola und Essen geht nicht. So bestellten wir eine warme Mahlzeit und 2 Cola zu unserem Bier…


Im Khlighat Tempel


Nach einer erholsamen Nacht wurden wir gegen 9:00 Uhr wach. Wir versuchten am Morgen erst einmal einen Taxifahrer davon zu überzeugen, uns am nächsten Tag nach Bishnupur zu fahren. Ein schwieriges Unterfangen. Wo bitte schön ist Bishnupur und wir kommt man dahin? Nach längerem hin und her hatten wir einen Fahrer gefunden, der das Risiko nie mehr zurückzufinden auf sich nahm und uns für 2.000,00 Rupies fahren wollte. Aber dazu später mehr…

Selbiger Taxifahrer sollte uns dann zum BBD Bagh, einem vielbefahrenen Knotenpunkt im Zentrum, bringen, wo wir im West Bengal Tourist Center unsere Eintrittsgenehmigung für den Sunderbarns Nationalpark holen wollten. Oder besser gesagt die Genehmigung für die Genehmigung. Denn diese Genehmigung genehmigt nur, sich am Parkeingang den Eintritt genehmigen zu lassen. Die indische Bürokratie läßt grüßen…


An der Mission Mutter Theresa´s


Unser Taxifahrer jedenfalls kannte sich in Calcutta scheinbar gar nicht aus. Zuerst brachte er uns zu einem Eisenbahnbüro, wo wir zwar Zugtickets hätten kaufen können, diese aber ja gar nicht wollten. Er ließ sich also für 5 R den richtigen falschen Weg erklären. So kamen wir aber wenigstens in die Nähe des Ziels. Weiter aber auch nicht. Erst nachdem ich ihm mit Hilfe des Stadtteilplans aus dem Lonely Planet den Weg erklärt hatte, erreichten wir unser Ziel. Etwas entnervt verließen wir das Taxi. Im Tourist Center wurde uns dann mitgeteilt, dass unsere benötigte Genehmigung nicht mehr hier, sondern direkt vom Forstministerium der Regierung Westbengalens im Writers House ausgestellt werden würde. Gott sei Dank befand sich dieses direkt um die Ecke. Nachdem wir uns nach dem richtigen Eingang erkundigt hatten und eine Leibesvisitation hinter uns hatten, mussten wir an Schalter 1 unser Anliegen vorbringen und einen entsprechenden Zettel ausfüllen. Selbstverständlich zweifach. Mit dem „Durchschlag“ hatten wir uns an Schalter 2 zu melden. Wir mussten unser Anliegen erneut vortragen und der 2. Zettel wurde hierbei auf seine Richtigkeit überprüft. Hätte ja schließlich sein können, dass man uns an Schalter 1 nicht richtig verstanden hat. Nachdem Zettel 2 geprüft und abgezeichnet war, ging es zu Schalter 3. Hier wurde der Zettel erneut geprüft und entwertet. Der Zettel war zu unserer Eintrittskarte geworden. Wie beim richtigen Fußballspiel. Nachdem wir dann das richtige Gebäude und Zimmer gefunden hatten, waren wir also tatsächlich doch noch im Forrestbüro angekommen. Wir wurden freundlich begrüßt und nach unserem Anliegen befragt und gebeten Platz zu nehmen. Wir trauten unseren Augen nicht. In diesem relativ geräumigen Büro arbeiteten ca. 10 Menschen, alle umringt von Papierstapeln, die bis unter die Decke reichten. Teilweise schienen die hier aufbewahrten Dokumente uralt zu sein, wenn man zumindest nach Staubschicht und Vergilbungsgrad des Papieres urteilen wollte. Nachdem wir unseren Antrag ordentlich ausgefüllt und unsere Pässe überreicht hatten, diktierte Angestellter Nr. 1 seinem Kollegen, hier Angestellter Nr. 2 unsere Daten auf Englisch. Dieser tippte alles fleißig in seinen uralten Computer ein. In einen Nadeldrucker wurden einzeln (!) 3 Blatt Papier eingelegt und ausgedruckt. Wir unterschrieben und durften gehen. Ja, so sind sie halt, die Computer-Inder.


Das Victoria Memorial


Mit dem Taxi ging es weiter zum Khlighat Tempel, oder besser gesagt, in eine Traube von Menschenmassen. Hier herrschte Betrieb, wie auf dem Schlossgrabenfest. Irgendwann hatten wir die ca. 500 m vorbei an der Wirkungsstätte Mutter Theresas zum Tempel geschafft. Aber dort wurde es noch voller. Irgendwie war es trotzdem lustig. Dennoch waren wir heilfroh, als wir den Tempelbezirk verlassen konnten. Eigentlich wollten wir von hier aus zum Marble Tempel. Da aber kein Taxifahrer den Weg kannte, entschieden wir uns zum Victoria Memorial zu fahren. Leider wurden wir auch hier nur an die Außenseite gebracht, so daß wir uns entschlossen, zur Park Street (die 5th Avenue Calcuttas) zu laufen und dort etwas zu essen. Das chinesische Restaurant war top und wir lernten unsere chinesischen Jahrgangszeichen kennen. Ich wurde im Jahr des Drachen gebohren, Nicole im Jahr des Schweins. Anschließend ging es zurück zum Hotel. Dort angekommen bekamen wir von unserem Taxifahrer erzählt, er habe sich geirrt und die Fahrt nach Bishnupur würde mindestens 3500,00 R kosten. Ich ließ mich auf keine Verhandlungen ein und mir die bereits angezahlten 500 R zurückgeben. Wir entschieden uns, dann doch mit dem Zug zu fahren. Zur Verteidigung der Taxifahrer sei anzubringen, dass die Verkehrsführung in Calcutta nicht unbedingt einfach ist. Viele Straßen sind Einbahnstraßen. Soweit ja noch ganz ok, doch die Meisten davon sind zu einer bestimmten Tageszeit Einbahnstraßen in die eine Richtung, ab einer gewissen Uhrzeit dann solche in die andere Richtung. Wer soll da noch den Überblick behalten?


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