Siem Reap (Angkor)

Siem Reap (Angkor) - Ruinen im Dschungel

Nachdem wir die ersten 2 Tage unseres Urlaubs in Bangkok verbracht hatten, ging es mit dem Zug vom Bahnhof nach Aranyaprathet, der Grenzstadt zu Kambodscha. Dort angekommen hatten wir auch schnell ein Tuk Tuk gefunden, was uns zu einem ausgemachten Preis zur Grenze bringen sollte. Kaum um die Ecke gebogen, wollte dieser plötzlich das doppelte. So stiegen wir aus und auch eine Rückkehr zum bereits ausgehandelten Preis konnte uns nicht überzeugen wieder einzusteigen. Wir mußten aber nur ein paar Meter laufen, bevor uns ein Sammeltaxi aufgabelte und an die Grenze brachte. Die Formalitäten an der Grenze verliefen überraschend schnell. Schon nach einer Stunde war alles erledigt und wir betraten Kambodscha. Irgendwie kam erst jetzt in mir ein richtiges Urlaubsgefühl auf. Wir waren nicht mehr weit von unserem großen Ziel entfernt.


Das Südtor zu Angkor Thom

Mit einem klimatisierten Bus ging es weiter Richtung Siem Reap. Die Straßen in Kambodscha sind wirklich in einem katastrophalen Zustand. Man sollte dies selbst erlebt haben, da eine Beschreibung dieser Holperpisten kaum möglich ist. Ausgerechnet in Sisophon, der einzigen größeren Stadt unterwegs ging angeblich die Lichtmaschine kaputt (obwohl der Bus noch fuhr...). So saßen wir erst mal 3 Stunden fest. Ziel war es natürlich, daß wir erst nach Einbruch der Dunkelheit in Siem Reap eintreffen sollten, um nach Möglichkeit im ausgesuchten Hotel zu übernachten. So wurde uns auch während dieser Pause vom Begleiter sein Hotel in Siem Reap auf das Wärmste empfohlen. Als dann irgendwann der Austauschbus kam, hätte ich diesen beinahe verpaßt. Da ist man einmal für 5 Minuten nicht vor Ort und schon kommt der Bus. Sowas aber auch. Gegen 21:00 Uhr trafen wir dann endlich in Siem Reap ein. Es regnete in Strömen und dennoch beschlossen Nicole und ich uns sofort auf die Suche nach einem anderen Hotel zu machen, sehr zum Ärger des Busbegleiters, der mich auf das übelste beschimpfte und drohte. Dennoch stand unser Entschluß fest, da wir an solchen Machenschaften nicht teilhaben wollten. An der Situation änderte dies aber nichts, da alle anderen Bustouristen scheinbar blieben. Für mich völlig unverständlich. Aber wir sollten belohnt werden. Ca. 400 m weiter fanden wir ein geräumiges Doppelzimmer mit Bad, TV und Klimaanlage für 7 $ die Nacht. Das Hotel sollte sich auch in soweit als Glücksgriff erweisen, da hier auch unsere Tuk Tuk Fahrer ansässig war, der uns die nächsten Tage durch die Tempel von Angkor bringen sollte.

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Blick auf Angkor Wat vom Phnom Bakheng


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Im Bayon-Tempel


Die Tempel von Angkor entstanden in der Zeit zwischen 850-1300. Die ehemalige Khmer Hauptstadt Angkor Thom war von einer Stadtmauer umgeben. In deren Zentrum exakt in der Mitte wurde der Bayon Tempel erbaut. Die Macht der Khmer zur damaligen Zeit ist für die Region in etwa vergleichbar mit der der Römer für die unsrige. Fast komplett Südostasien stand damals unter der Herrschaft der Khmer. Etwa 100 Tempel sind in dieser Gegend heute noch erhalten. Die meisten um die ehemalige Hauptstadt herum. Vergleichbar mit den Pharaonen Ägyptens hielt es jeder König des Angkor Reiches für nötig einen oder auch mehrere Tempel zu bauen, was die Vielzahl der Bauwerke erklärt. Angkors Ende war gekommen, als die Thai in heiß umkämpften Schlachten letztendlich Angkor eroberten und plünderten. Die Khmer flüchteten Richtung Süden. Ihre neue Hauptstadt wurde am Zusammenfluß von Tonle Sap und Mekong gegründet: Phnom Penh. Die alte Hauptstadt geriet schnell in Vergessenheit. Der Dschungel eroberte das Land zurück. Erst um 1860 entdeckten die Franzosen die alte Hauptstadt wieder. Seit dem hat sich viel verändert und die Tempelanlagen ziehen jährlich mehr und mehr Touristen in ihren Bann.

Wir fuhren zunächst nach Angkor Thom in die ehemalige Hauptstadt. Nach dem wir durch das Südtor spaziert waren, hieß unser nächstes Ziel Bayon. Der zwischen 1177-1230 unter der Herrschaft von Jayavarman VII erbaute Tempel zog uns sogleich in seinen faszinierenden Bann. Vor allem die 54 gotischen Türme mit ihren 216 grinsenden Gesichtern (die Experten streiten sich darüber, ob sie Vishnu oder den damaligen König darstellen sollen) hatten es in sich. Hier konnten wir wie überall über Stock und Stein klettern und Türme besteigen. Schon jetzt hatte sich der Trip nach Kambodscha gelohnt. Nachdem wir anschließend zu Mittag gegessen hatten, besichtigten wir den gleich nebenan liegenden Baphuon Tempel, der von Udayadityavarman II 1049-1065 erbaut wurde. Leider wird der Tempel zur Zeit restauriert, so daß wir ihn nicht betreten durften. Auch der 40 Meter lange liegende Buddha auf der Rückseite blieb uns dank einer Plane verborgen. Schließlich sahen wir noch die Überreste des Königspalasts und die Elefantenbrücke, sowie weitere teils schlecht erhaltene Gebäude der ehemaligen Hauptstadt, bevor wir uns dem Prasat Tonlé Sagout widmeten, der mich an Prasat Phanom Rung erinnerte, welchen ich bereits vor 4 Jahren in Thailand bestaunen konnte.

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Teile der Tempelanlagen von Angkor hat der Dschungel noch fest im Griff


Unser nächstes Ziel war der nächste Höhepunkt der Reise: Ta Prohm, der um 1186 erbaut wurde. Hier ist überliefert, daß etwa 80.000 Menschen diesen Tempel erbaut haben soll. Das Geniale dieser Anlage aber ist, daß sie von den Archäologen im Gegensatz zu den anderen Tempeln im Urzustand im Griff des Dschungel belassen wurde. So sahen wir unzählige Bäume, deren Wurzeln aus den Steinen der Tempel zu wachsen schienen und die Mauern des Tempels fest umschlungen hielten. Erinnerungen an die Filmreihe Indiana Jones kamen auf und obwohl der Tempel an sich vielleicht gar nicht mal so spektakulär ist, ließen gerade diese Umstände den Tempel zu einem der schönsten Ereignisse der Reise werden. Zum Abschluß eines phantastischen Tages bestiegen wir noch den Phnom Bakheng, dessen Tempelanlage an sich zwar unspektakulär ist, von der aus sich aber ein herrlicher Ausblick auf Angkor Wat und die Umgebung bietet. Hier konnten wir auch feststellen, was es heißt mit möglichst vielen Touristen in Kontakt zu kommen. Der Abstieg vom Tempel wäre auf Grund der Horden von Touristen, die unbedingt den Sonnenuntergang hier erleben wollten, fast unmöglich geworden. Wie schön ruhig können die Anlagen doch sein, wenn man diesen Horden aus den Weg geht und die Tempel genau in der anderen Reihenfolge besichtigt, als es alle anderen tun.

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Ta Prohm


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Benachbarte Reisfelder


Am nächsten Morgen führte uns unsere Reise zunächst Richtung Angkor Wat. Der Tempel gilt noch heute als größtes religiöses Bauwerk der Welt. Seine Außenmaße betragen 1,5 X 1,3 km, umgeben von einem über 190 m breiten Wassergraben. Alleine diese Dimensionen lassen die europäischen Burgen wie Kinderspielzeug wirken. Er wurde erbaut zwischen 1100-1175 von König Suryavarman II und soll das Universum, wie es sich die Hinduisten vorstellten, in Miniaturform symbolisieren. So symbolisieren der große Mittelturm Mt Meru, die kleineren Türme drum herum seine Begleiter. Der Wassergraben den die damalige Welt umgebenen Ozean. So schlenderten wir gemütlich durch eine phantastische Tempelanlage. Der Wassergraben wurde übrigens angelegt, in dem die Khmer damals einfach einen Fluß umleiteten, um diesen zu füllen. Auf gleichem Wege wurden übrigens die Steine aus dem 60 km entfernten Steinbruch über Wasser nach Angkor gebracht. Unser nächstes Ziel war Preah Khan, der sich vor allem durch seine langen Korridore und bunten Farben, die die Natur im Laufe der Jahre hinterlassen hatte, auszeichnete. Nach der Mittagspause, die vor allem Nicole gut tat, da sie sehr mit der Hitze zu kämpfen hatte, besichtigten wir noch eine Reihe weiterer Bauwerke: Preah Neak Tean (das ehemalige Schwimmbad), Ta Som, Eastern Rebon, Pre Rup und Banteay Kdei, bevor wir am späten Nachmittag in unser Hotel zurückkehrten und den Abend gemütlich ausklingen ließen.

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Kinder nutzen eine "natürliche Schaukel" an den Tempelanlagen


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Ta Prohm


Unser 3. Tag in Angkor begann mit einer Fahrt zum 26 km nördlich von Angkor gelegenen Tempel von Banteay Srei, dem einzigen der nicht von einem König, sondern einem Brahman erbaut wurde. Er wurde zwischen 967-1000 erbaut. Banteay Srei zeichnet sich vor allem durch die zahlreichen und wunderschönen Reliefs aus. Ich war begeistert. Anschließend fuhren wir weiter Richtung Banteay Samré, der aus der selben Zeit wie Angkor Wat stammt. Am Nachmittag fuhren wir noch zum Bakong, dem Haupttempel der Rolousgruppe, 13 km östlich von Siem Reap. Erbaut von Indravarman I (um 880). Zunächst sollte hier die Hauptstadt des Khmer Reiches entstehen, bevor man den Boden knapp 20 km entfernt am heutigen Standort von Angkor Thom für fruchtbarer hielt und die Hauptstadt kurzerhand verlagerte. Auf jeden Fall stellten diese 3 Tempel einen gelungenen Abschluß des Besuchs von Angkor da, die ich durchaus als unvorstellbar und einzigartig bezeichnen möchte.

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Angkor bietet ein schier unerschöpfliches Tempelpotential



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